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the fail, the glitch: Amazons Oster-Fail und ein paar Gedanken drumherum

Die letzten Ostertage waren für viele Mitarbeiter bei Amazon in diesem Jahr vermutlich nicht sehr entspannend. Nachdem am Sonntag bekannt wurde, dass jede Menge Bücher rund um Homo- und Transsexualität, Feminismus und queer Theory (sogar Foucaults “History of Sexuality Vol 1″ war betroffen) nicht mehr als Suchergebnisse auf Amazon.com auftauchten, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Netzwelt. Was war geschehen? War das Zensur, ein gezielter Angriff auf das Reputationssystem von Amazon oder doch – wie von Amazon bekannt gegeben wurde – eine Panne? Andrea James von seatlepi.com hat mit einem Mitarbeiter von Amazon gesprochen und fasst seine Erklärung zusammen:
Amazon managers found that an employee who happened to work in France had filled out a field incorrectly and more than 50,000 items got flipped over to be flagged as “adult,” the source said. (Technically, the flag for adult content was flipped from ‘false’ to ‘true.’) “It’s no big policy change, just some field that’s been around forever filled out incorrectly,” the source said.
Mich überrascht zwar, dass es so einfach gehen soll, das System von Amazon durcheinander zu bringen, aber es wirkt einigermaßen plausibel. Eine menschliche Fehlerquelle, vermutlich ohne böse Absichten, und das Problem wird schnell gefixt. Mögen andere überprüfen, ob das stimmt, ich nehme das jetzt mal so an und beende die Suche nach der Wahrheit hinter dem #amazonfail an dieser Stelle mit einem Verweis auf den Guardian, der eine offizielle Sprecherin von Amazon zitiert:
“In fact, it impacted 57,310 books in a number of broad categories such as health, mind and body, reproductive and sexual medicine, and erotica. This problem impacted books not just in the United States but globally. It affected not just sales rank but also had the effect of removing the books from Amazon’s main product search. “Many books have now been fixed and we’re in the process of fixing the remainder as quickly as possible, and we intend to implement new measures to make this kind of accident less likely to occur in the future.”
Mal so nebenbei: Ich würde doch sehr wünschen, bei der Suche nach Produkten wenigstens gefragt zu werden, ob ich wirkliche “adult”-Inhalte gefiltert haben möchte oder nicht – bei der google Bildersuche geht das ja schließlich auch. Die Amazon-Geschichte hat sehr deutlich gezeigt, wie wunderbar Blogs und Twitter zusammen funktionieren, um schnelle, nicht-organisierte Proteste hervorzubringen. Allein mit Blogs hätte es vielleicht ein paar Tage länger gedauert und der Aufschrei wäre auch nicht so massiv geworden, durch Twitter und die Hashtags #amazonfail und #glitchmyass dagegen konnten viele Leute mal Schnell ihren Unmut kund tun, die Story verbreitete sich rasend schnell, und entsprechend groß war dann auch der Druck auf Amazon. Cyberaktivismus ist mit Blogs, Twitter und Facebook zum Massenphänomen geworden. Auch wenn es kein gezielter, homophober und anti-feministischer Angriff auf das Reputationssystem war, finde ich die Überlegung spannend, ob gesellschaftliche Konflikte in Zukunft vermehrt mit auf diese Weise ausgetragen werden. Bücher als anstößig flaggen, Bands bei myspace oder last.fm melden, weil sie der eigenen politischen Meinung nicht zusagen, dazu aufrufen, Twitteraccounts zu blocken, gezielte Angriffe auf Trust- und Reputationssysteme … es gibt viele Möglichkeiten. Ist das ein legitimes Mittel, seiner Meinung politisch Ausdruck zu verleihen, sozusagen ziviler Ungehorsam im Internet, oder muss darauf hingearbeiten werden, dass sich im Internet soziale Normen herausbilden, die eine von solchen Methoden abhalten? Wann ist ihr Einsatz gerechtfertigt, wann nicht? Till Westermayer wirft in seinem Blog sogar die Frage auf, ob es einer “Verstaatlichung nahezumonopolisierter Netzräume” bedarf. Schließlich war es für mich persönlich noch spannend zu sehen was passiert, wenn man ein Thema relativ früh am mitteleuropäischen Tag im Blog aufgreift, der Link über Twitter per Retweet, Rivva und Netzpolitik verbreitet wird und plötzlich viel mehr Leute als sonst auf das Blog kommen. Kleine Erkenntnis am Rande: Die Anzahl von Blogkommentaren hängt nicht mit der Anzahl der Zugriffe auf einen bestimmten Artikel zusammen.

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