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Denk ich an Israel in der Nacht…

Seit dem neuen Text der Antifa F und anderer Gruppen aus dem „Ums Ganze“-Dunstkreis1 gibt es in Frankfurt mal wieder eine Debatte um Deutschland, Antisemitismus und die Rolle Israels. Kritik übten sowohl die sinistra, als auch die Gruppe neocommunistinnen.
„Ums Ganze“ treibt damit den Inhalt der Broschüre „Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit“ zur Konsequenz: letztendlich wird, wie die beiden verlinkten Texte aufzeigen, die Shoa für abgehakt erklärt, die Fahne ihrer Opfer zu einem lächerlichen Staatssymbol unter vielen erklärt. Schwarz-Weiß-Rot und Blau-Weiß mit Stern: eigentlich kein allzu großer Unterschied. Die polemische Kritik an dieser Nivellierung, die nicht nur von mangelhafter theoretischer Einsicht, sondern auch von einer gewissen emotionalen Abhärtung gegenüber dem Grauen der Geschichte zeugt, halte ich für absolut berechtigt. Mit der Abgrenzung von „antideutschen Dichtern“ wird dies letztendlich offen ausgesprochen. Meine Meinung – gegen Deutschland helfen Gedichte:
Früher Mittag Still grünt die Linde im eröffneten Sommer, weit aus den Städten gerückt, flirrt der mattglänzende Tagmond. Schon ist Mittag, schon regt sich im Brunnen der Strahl, schon hebt sich unter den Scherben des Märchenvogels geschundener Flügel, und die vom Steinwurf entstellte Hand sinkt ins erwachende Korn. Wo Deutschlands Himmel die Erde schwärzt, sucht sein enthaupteter Engel ein Grab für den Haß und reicht die Schlüssel des Herzens. Eine Hand voll Schmerz verliert sich über den Hügel. Sieben Jahre später fällt es dir wieder ein, am Brunnen vor dem Tore, blick nicht zu tief hinein, die Augen gehen dir über. Sieben Jahre später, in einem Totenhaus, trinken die Henker von gestern den goldenen Becher aus. Die Augen täten dir sinken. Schon ist Mittag, in der Asche krümmt sich das Eisen, auf den Dorn ist die Fahne gehißt, und auf den Felsen uralten Traums bleibt fortan der Adler geschmiedet. Nur die Hoffnung kauert erblindet im Licht. Lös ihr die Fessel, führ sie die Halde herab, leg ihr die Hand auf das Aug, daß sie kein Schatten versengt! Wo Deutschlands Erde den Himmel schwärzt, sucht die Wolke nach Worten und füllt den Krater mit Schweigen, eh sie der Sommer im schütteren Regen vernimmt. Das Unsägliche geht, leise gesagt, übers Land: schon ist Mittag.
Ingeborg Bachmann
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