Zitat des Tages – Lord Alfred Douglas

"I am the Love that dare not speak its name"
Lord Alfred Douglas: Two Loves. Zitiert nach: Sedgwick, Eve Kosofsky (2003): Epistemologie des Verstecks. In: Kraß, Andreas (Hrsg:): Queer denken. Gegen die Ordnung der Sexualität (Queer Studies). Frankfurt/Main, S.121.
... "eine bestimmte Form der Sexualität (...), die sich unverkennbar als Geheimnis konstituierte"

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Ausstellung: Geschichte von ehemaliger Haftanstalt

Frankfurter Neue Presse, 09.08.2009 (Online-Ausgabe) Frankfurt. Die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses im Justizviertel am Frankfurter Klapperfeld steht im Mittelpunkt einer Ausstellung der Kulturinitiative «Faitesvotrejeu». Der erste Teil der Ausstellung wurde am Sonntag eröffnet. Zahlreiche Exponate zeigen die Rolle des Gefängnisses in der Zeit des Nationalsozialismus. Über Videoaufzeichnungen treten die Besucher in Kontakt mit Überlebenden des NS-Regimes. So erzählt ein heute 102 Jahre altes ehemaliges KPD-Mitglied über diese Zeit. Nach dem Willen der Veranstalter soll sich die Dauerausstellung «permanent weiterentwickeln». Der Eintritt ist frei.

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Pressemitteilung 05.08.2009 ­– Eröffnung des ersten Teils der Dauerausstellung zur Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses »Klapperfeld«

Nach einem gelungenen Auftakt im »Klapperfeld« Anfang Juli eröffnet die Initiative »Faites votre jeu!« nun am 9. August den ersten Teil ihrer Dauerausstellung zur Geschichte des Gefängnisses »Klapperfeld« in Frankfurt.
»Von vornherein hatten wir klargestellt, dass es für uns unvorstellbar ist ein Gebäude wie das ehemalige Gefängnis ›Klapperfeld‹ ohne geschichtspolitische Auseinandersetzung unreflektiert zu nutzen. Dies [...]

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Eröffnungsveranstaltung und Ausstellung: Frankfurt-Auschwitz

Einladung zur Eröffnungsveranstaltung und zur Ausstellung Frankfurt-Auschwitz. Die Eröffnungsveranstaltung beginnt am 11.8.09, 19.30 Uhr. Die Ausstellung findet vom 11.8. bis 11.9.2009 statt. Die Öffnungszeiten sind: Di.-Fr. 11.00-14.00 Uhr u. 17.00-20.00 Uhr sowie Sa. 11.00-14.00 Uhr Der Förderverein Roma e. V. wird anlässlich des 65. Jahrestages der Liquidation des „Zigeunerlagers" Auschwitz-Birkenau eine dokumentarisch künstlerische Ausstellung in den Räumen der ehemaligen Haftanstalt Klapperfeld in der Klapperfeldstraße 5, Ffm., zeigen. Durch die unterschiedlichen Darstellungsweisen bietet die Ausstellung den Besuchern die Möglichkeit, sich mit der Verfolgung und Vernichtung der Roma und Sinti im Nationalsozialismus auf vielseitige Weise auseinanderzusetzen. Der dokumentarische Ausstellungsbereich thematisiert die Täter, die Vernichtung der Roma und Sinti in Auschwitz, die Erinnerung der Opfer und Überlebenden. Fotos, Beschreibungen, Vorträge und Filme, u. a. ein 1962 von Valentin Senger geführtes Interview mit der NS-Rasseforscherin Eva Justin und ein Beitrag über die Vita der Romni Maria Weiss, erläutern die Position der Stadt Frankfurt am Main im Netz der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. 16 Bilder des Saarbrücker Künstlers Bernd Rausch haben die Auslöschung, sowohl des Einzelnen als auch der Gemeinschaft der Roma und Sinti, durch die Nationalsozialisten zum Inhalt. Die Arbeit des Förderverein Roma, des Trägers der Ausstellung, wird auf drei Tafeln vorgestellt. Begleitet wird die Ausstellung von

  • einer Veranstaltung zu der historischen Dimension des Themas und der besonderen Rolle der Stadt Frankfurt am Main bei der Verfolgung von Roma und Sinti im Nationalsozialismus mit Dr. Peter Sandner, Historiker und Autor des Buches Frankfurt-Auschwitz (3.9.09, 19.30 Uhr),
  • Gesprächen mit Roma, deren Familienangehörige in der NS-Zeit ermordet wurden (Lothar Winter, Amari Bacht, 27.8.09, 19.30 Uhr, Ursula Rose, Romni aus Ffm. und Leika Peter Böttcher, Roma-Union, 11.9.09, 19.30 Uhr) sowie
  • einem Abschlusskonzert mit Mitgliedern des Philharmonischen Verein der Roma und Sinti, Ffm., am 11.9.09, 19.30 Uhr.
Darüber hinaus werden Führungen und Gespräche für Gruppen und Schulklassen angeboten (Anmeldung unter 069/44123 AB, Förderverein Roma). Wir bedanken uns bei allen UnterstützerInnen Joachim Brenner, Förderverein Roma e. V., Stoltzestraße 17, 60311 Ffm.

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Verfolgungswahn rechtskonservativer Christen

Die evangelikale Bewegung in Marburg geht mit ihrer Hetze gegen den berechtigten Protest gegen homophobe und sexistische Diskurse und Aktionen durch religiöse Fundamentalist_innen in die zweite Runde. Um von ihren eigenen menschenverachtenden Diskursen abzulenken, die sich oftmals in handfeste politische Einflussnahme sogar auf Bundesebene manifestieren (Verhinderung, dass Homosexuelle heiraten können und Frauen legal abtreiben, die [...]

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Samstag, 18. Juli // 15.30 Uhr // Queerer Kneipenabend Nr. 1

Anlässlich des Christopher-Street-Days in Frankfurt veranstaltet das Ladyfest FFM der ersten queeren Kneipenabend im roten »Salon« Klapperfeld. ab 18.00 Uhr »Travel Queeries« (2009) – diverse Sprachen (deutsche Untertitel) Eine Dokumentation über die radikale queer Szene in Europa Der Film Travel Queeries dokumentiert Künstler_innen, Festivals und das Engagement verschiedener Akteur_innen in Spanien, Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Serbien, Polen [...]

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ladyfest goes csd in frankfurt und film “travelqueeries”

der csd in diesem jahr fragt: *Sind wir schon angekommen? *latsch - "wir" laufen am samstag mit, vor dem lesbenblock: Sa. 18. Juli, Start 12 Uhr am Römer (Aufstellung ab 11 Uhr) im anschluss am samstag zeigen wir um 18h den film: *travelqueeries* im klapperfeld, roter salon, offen für alle gender. see you here or there......

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Frauengipfel – Missy @ Nitribitt

"Wieso gibt es in Deutschland kein Magazin, das die Berichterstattung über coole Frauen, Popkultur, Politik und Style mit einer feministischen Haltung verbindet? Weil es bisher noch niemand gemacht hat. Weil wir so ein Heft unbedingt lesen wollen und glauben, dass es vielen anderen Frauen genauso geht, machen wir Missy." (Missy über Missy)

Frau Peaches auf dem Cover der dritten Missy
Wir, das sind Sonja Eismann, Chris Köver und Stefanie Lohaus. Seit nunmehr drei Nummern versuchen sie unter prekären Bedingungen ein deutschsprachiges Popkulturmagazin für Frauen zu etablieren. In den USA hat es schon viele solcher Magazine gegeben – mit unterschiedlichen Erfolgen. Auf dem deutschen Markt ist es der erste derartige Versuch. Im weiten Feld zwischen Brigitte und Spex, Emma und de:bug ist viel Platz – auch Platz, um zwischen allen Stühlen zu landen. Nach den ersten drei Heften gab es viel Lob für Missy – und viel Kritik. Das geht schon beim Namen los, den nicht wenige ablehnen. In Zusammenarbeit mit Silke Hartmann vom Raum 121 und Christina Mohr von satt.org haben wir die Missy-Mitherausgeberin und Pop-Feminismus-Autorin Sonja Eismann zu einer Diskussion über das Projekt Missy eingeladen. Im Anschluss: Auflegen mit Auftrag – Platten zum Thema, kommentiert und ohne Worte. Dienstag, 7. Juli, 20 Uhr Ort: Raum 121, Mörfelder Landstraße 121 B, Frankfurt am Main > link >> satt.org, Das Onlinefeuilleton > link >> Raum 121 – Verein für Kunst und Kultur > link >> Missy Magazine. Popkultur für Frauen > link >> bitch. Feminist Response To Pop Culture > link >> Feminist Magazines (Nordamerika) Meinungen zu Missy im Netz: > link >> medien-monitor.com > link >> bigmouth.blogsport.de > link >> wolfsmutter.com
Nit-Flyer: Frauengipfel - Missy@Nitribitt

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Vortrag von Sophinette Becker: Wie queer sind die realen Subjekte?

Nach der Pfingstpause wird am kommenden Mittwoch Dr. phil. Sophinette Becker in unserer Vortragsreihe fragen “Wie queer sind die realen Subjekte?”. Sophinette Becker ist Leiterin der Sexualmedizinischen Ambulanz der Uniklinik Frankfurt am Main. Ihr Vortrag war ursprünglich für das vergangene Wintersemester geplant und wird am 10. Juni 2009 nachgeholt. Der poststrukturalistische Genderdiskurs hat die Auflösung [...]

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Claussen-Vortrag zu Antisemitismus in der Deutschen Turnbewegung

Passend zum "Internationales Deutsches Turnfest 2009 Frankfurt am Main" und den sich gewaltsam manifestierenden gesundheits- und sportsfaschistoiden Diskursen einiger sich als männlich und heterosexuell verstehender antifa-Fraktionen: Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Jüdischen Museum und dem Eintracht Frankfurt Museum findet am Donnerstag, den 4. Juni 2009 um 19.00 Uhr ein interessanter Vortrag statt: Detlev Claussen Antisemitismus in der Deutschen Turnbewegung und die Anfänge des Fußballs Die deutsche Turnbewegung ist seit dem Turnvater Jahn auch durch nationalistische und antisemitische Tendenzen geprägt. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts weigerten sich immer mehr Vereine jüdische Mitglieder aufzunehmen. Was wenig bekannt ist: Junge Juden wandten sich daher dem Fußball, dem neuen Sport aus England zu, der von Turnerseite als undeutsch verunglimpft wurde. Detlev Claussen, Professor für Soziologie und ausgewiesener Fußballexperte, geht anlässlich des Deutschen Turnfestes den vergessenen antisemitischen Traditionen der Turnbewegung nach und skizziert die wenig bekannte Frühgeschichte des Fußballs in Deutschland. Donnerstag, 4. Juni 2009, 19.00 Uhr im Jüdischen Museum, Untermainkai 14/15 Eintritt Frei!

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inhaltsverzeichnis des remixes klingt spannend

Alfred Schobert

Analysen und Essays

Extreme Rechte – Geschichtspolitik – Poststrukturalismus.

ISBN-13: 978-3-89771-750-3 Ausstattung: br., 440 Seiten Preis: 29.80 Euro
Herausgegeben von Martin Dietzsch, Siegfried Jäger, Moshe Zuckermann. Edition DISS Bd. 21
Alfred Schobert (* 1963, † 2006) gehörte zu den wichtigsten Experten zum Thema extreme Rechte in Deutschland und Frankreich. Er verstand es wie kaum ein anderer, seine Interventionen auf einem wissenschaftlichen Fundament zu entwickeln. Als Schüler des französischen Philosophen Jacques Derrida arbeitete er an der Schnittstelle von Ideologiekritik und Poststrukturalismus. Seine Arbeiten richteten sich nicht nur an ein wissenschaftliches Fachpublikum. Sie lieferten immer auch wichtige Impulse für eine effektive Arbeit gegen Rechts und für den Kampf für eine gerechte Gesellschaft. Alfred Schobert war langjähriger Mitarbeiter im Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Von seinen etwa 500 Artikeln, Aufsätzen und Vorträgen wurden für diesen Band 30 Texte zur extremen Rechten, zur Geschichtspolitik und zum Poststrukturalismus ausgewählt. Inhalt Einleitung der Herausgeber Teil I Extreme Rechte Kulturrevolution, völkisch und (neo)nationalistisch. Aus der Diskursgeschichte eines vormals verpönten Signifikanten Wurzeln finden, Reich erneuern, »Ami go home!«. Die Europa-Vorstellung Alain de Benoists Netze, Viren, Ströme – Wurzeln und das Reich oder: Wie Alain de Benoist mit Carl Schmitt der »Dampfwalze der Globalisierung« trotzen will Diskurspiraterie oder Wie Alain de Benoist mit Costanzo Preve Marx vom Marxismus befreit In der Mühle der binären Reduktion. Arundhati Roys Rede in Mumbai im Krieg der Medien Der Feind unterm Regenschirm »Erwähnt man die Juden?« »Nothing to worry about”? auf rechts gehen? Verwurzelung in Wattenscheid Kreuz, Totenkopf und Gruft. Dark Wave und »Neue Rechte« Exportartikel Evola Arthur Trebitsch – Wirklichkeit und Wahn Zum Judenbild der konterrevolutionären Rechten und der intransigenten Katholiken in Frankreich Streifzug durch die französische rechte Publizistik Teil II Geschichtspolitik Walsers Wunschgeschichte der Nation Endlich ganz normal. Auschwitz und Krieg »sittlich begraben« oder »Lust an der Demokratie« in der »Berliner Republik« »Holocaust-Industrie« – Kulturkritik oder Koschermachen einer neonazistischen Propagandaformel? Geschichtsrevisionismus à la carte. Mit Nolte und Zitelmann gegen »Westextremismus« Eliten-Antisemitismus in Nazi-Kontinuität. Martin Hohmanns Neuhofer Rede im Kontext Mit Schiller am Hindukusch Teil III Poststrukturalismus Eine Stimme von anderswo. »Das Messianische« und die Politik im Werk Jacques Derridas Die Schrift gegen den Tod. Zu Derridas Kritik der Todesstrafe und der Dekonstruktion der Souveränität – mit einem Rückblick auf seine Benjamin-Lektüre Der Reader. Jacques Derrida erhielt den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt Still supporting revolution Derridas Gespenster Foucaults Werkzeugkiste Besprechungen Mitte und Normalität. Zur Gleichzeitigkeit von moderner Kollektivsymbolik und traditioneller institutionalistischer Symbolik Wie wir normalisiert werden Quellennachweis Über die Herausgeber Personenverzeichnis

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Kulturindustrie und Stadtentwicklung – Moderne Urbanität als Form vermittelter Herrschaft

Tagesseminar in Frankfurt/Main am Samstag, den 13. Juni 2009 Club Voltaire (KL: Hochstraße 5, 60313 Frankfurt/Main) Voranmeldung wird nicht benötigt, ist jedoch durchaus erwünscht unter: kulturindustrie-und-stadtentwicklung@gmx.de Die Architektur von Gebäuden wie die Planung von Stadtteilen und öffentlichen (bzw. semiöffentlichen oder privaten) Plätzen und Räumen hängt nicht nur mit einer rationalen und/oder pragmatischen Nutzung von verfügbarer Fläche zusammen. Sie reproduzieren und manifestieren zugleich gegenwärtige gesellschaftliche Verhältnisse. Dies ist selbstverständlich keine neue Feststellung. Gebäude- und Stadtplanung waren stets ein fester Bestandteil von Herrschaftsinszenierungen und Demonstrationen von Klassenverhältnissen. Daran hat sich mit einer vermeintlich offen zugänglichen Stadtwelt im Laufe der Kultur-industrie nichts geändert. Jedoch nimmt dieser Bereich von Öffentlichkeit unter den ständigen „Fortschritten“ kapitalistischer Produktionsweisen wie auch kulturindustrieller Weiterentwicklung ständig andere Dimensionen in Anspruch und erreicht somit neue Qualitäten, deren Resultat und Prozess wir momentan auch in Frankfurt erfahren können. Es ist gerade an der modernen Stadtentwicklung abzulesen, wie die altbürgerliche Trennung von arbeitsweltlicher, privater und freizeitlicher Lebensgestaltung dazu tendiert, aufgehoben zu werden. Reine Wohn- und Arbeitsviertel entstehen nicht mehr; eher scheint das Ziel eine Art „organische Verschmelzung“ zu sein. Zudem erkämpfen sich die Städte im Zuge der Standortpolitik mit spektakulären Bauten und Vierteln ihre Konkurrenzfähigkeit zurück, die sie mit der einstigen Standardisierung der Städte durch die (meist ähnlichen) Planungen von Shopping-Malls, und Einkaufsstraßen verloren haben. Einzigartigkeit unter Demonstration von Kapitalressourcen, Konsumattraktivität, einem (möglichen) hohen Lebensstandard und attraktive Arbeitsorte sind Teile der Planung. Als Beispiele können hier das PalaisQuartier (vormals:FrankfurtHochVier bzw. Zeil-Projekt), das Deutschherrnufer oder ganz allgemein die Gestaltung der „Skyline“ von „Mainhattan“ angeführt werden: Projekte, die die Klassenverhältnisse an- bzw. aussprechen und somit auch Herrschaftsverhältnisse und deren Ausbau sichtbar machen. Hieran zeigt sich u.a. der Zusammenhang von Ästhetik und Herrschaft. Äußere Gestaltung von Fassaden oder die bestimmte Verwendung von Materialien und Bauweisen in Anlehnung an Retro-Stile versetzen den Betrachter in bestimmte Haltungen zu Gebäude und Umwelt. Was innerhalb der Städteentwicklung- und -planung als Vorstellung fixiert wird, stimmt jedoch nicht immer mit dem überein, wohin sie sich entwickeln nd wodurch öffentliche Räume, Plätze und Viertel sich definieren; sei es real oder kulturindustriell vermittelt. Wird das Frankfurter Bahnhofsviertel in Spektakel-reportagen als Ort von Drogenkonsum/-kriminalität und Prostitution dargestellt oder Sossenheim (wahlweise auch: Rödelheim, Frankfurter Berg, Gallus usw.) als Vorstadtghetto präsentiert, ist dies zugleich die Produktion gefährlicher Orte, die man meiden sollte. Hohe Polizeipräsenz und das Aufrüsten öffentlicher Plätze mit Überwachungskameras sollen dem Aufkommen von Hysterie entgegenwirken. Auch hierin liegt ein Aspekt von Herrschaftsproduktion: Großstädte sind scheinbar keine sicheren Plätze; Gegenmaßnahmen sind erforderlich; Schutz soll garantiert werden – zumindest in der Imagination. Realität wird kultur-industriell überarbeitet und verfremdet und reproduziert sich in einer bestimmten Haltung der Passanten wiederum getreu der medialen Schilderung – und wird dadurch erst zur Realität. Interessant ist unter dem Aspekt von Kulturindustrie und Stadtentwicklung die kritische Auseinandersetzung mit Planung/Gestaltung, vermeintlicher Entwicklung (auch im autonomen Sinne) und Darstellung, da herrschende Ausgrenzung ebenso zum Ausdruck kommt wie die Symbolisierung von Herrschaft, die es nach wie vor noch gibt. Was symbolisieren neue Bauten im Stadtbild und wie verläuft die Entwicklung von Stadtvierteln im Hinblick auf mediale Darstellung und beabsichtigter Planung? Was wird produziert und wie wirkt es sich auf die Entwicklung im Umgang mit der Stadt als Lebensort zurück? Was sind Ein- und Ausschlussmechanismen? Wie funktionieren diese? Werden diese in der Architektur berücksichtigt? Gibt es eine reflexive Architektur? All dies sind Fragen, denen wir uns in der Reihe ‚Kulturindustrie und Stadtentwicklung – Moderne Urbanität als Form vermittelter Herrschaft’ nähern wollen, um diese gemeinsam diskutieren zu können.

Seminarplan Beginn 12.00h Begrüßung und Einführung in die Veranstaltung. 12.30h Martin Niederauer: Kulturindustrie und Stadtentwicklung Vortrag und Diskussion 14.30h Christine Resch: Das Frankfurter Deutschherrnufer: eine Kulturindustrie-Studie 17.00h Johanna Hoerning: Groß, größer, mega – Städte als Orte des Fortschritts und der Dekadenz 18.30h Abschlussdiskussion Voraussichtliches Ende ca. 19.30h Zwischen den einzelnen Vorträgen sind jeweils Pausen eingeplant. Für Verpflegung und Getränke ist gesorgt!!
Martin Niederauer: Kulturindustrie und Stadtentwicklung – Eine Einführung Die Theorie der Kulturindustrie, wie sie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer vor allem in ihrer Dialektik der Aufklärung ausformulieren, zeigt in ihrem Kern auf, wie intellektuelle (beziehungsweise kulturelle) Erzeugnisse unter den Imperativen kapitalistischer Warenproduktion verlaufen. Darin spiegelt die warenförmige Strukturierung kultureller Artefakte nicht nur die Brüche einer durch vorherrschende Produktionsweisen definierten Gesellschaft wieder. Ebenso wird darin auf die Vermittlung von Herrschaft durch die Kulturindustrie eingegangen. Die Einführung in die Theorie Horkheimers und Adornos zeigt auf, was Kulturindustrie ist, was diese mit Stadtentwicklung zu tun hat und wie gesellschaftliche Entwicklungen anhand kultureller Artefakte reflexiv erschlossen werden können. Martin Niederauer (Diplomsoziologe), studierte Soziologie in Trier und Frankfurt am Main. Christine Resch: Das Frankfurter Deutschherrnufer: eine Kulturindustrie-Studie Die ersten Beispiele im Kulturindustrie-Kapitel der Dialektik der Aufklärung (Horkheimer und Adorno 1944/47) sind solche aus dem Bereich der Architektur. Architektur ist Kulturindustrie. Sie ist es als in Stein, Stahl und Glas gebaute Herrschaft auf besonders realitätsmächtige Weise. Seit den 1940er Jahren hat sich jedoch verändert, wie sich Kulturindustrie in einzelnen Artefakten, so auch in Gebäuden manifestiert. Was Architektur in der „Wissens-“ und im Unterschied zur „Industriegesellschaft“ auszeichnet, soll einleitend skizziert werden. Am Beispiel des Frankfurter Deutschherrnufers wird dann eine konkrete Interpretation vorgeführt. Das Gesamtensemble, die Selbstdarstellungen der Architekten und Immobilienmakler, die Architektur einzelner Gebäude und die verschiedenen Erfahrungen der Nutzer werden einbezogen. Christine Resch, PD Dr.phil., studierte in Frankfurt/M. Gesellschaftswissenschaften. Vertritt dort zur Zeit die Professur von Heinz Steinert am Arbeitsschwerpunkt "Devianz und Soziale Ausschließung". Johanna Hoerning: Groß, größer, mega – Städte als Orte des Fortschritts und der Dekadenz Wie (über)lebt man im „Chaos“, im „Moloch“, in der „Steinwüste“? Eine ambivalente Faszination, die von der als „unmenschlich“ bewerteten gebautenUmwelt in den großen Städten ausgeht, ist ein durchgängiger Topos in der Auseinandersetzung mit großen Agglomerationen. Den sog. Megastädten wird heute Ambivalenz vor allem angesichts der Parallelität von Rückständigkeit (etwa kulturell oder Produktions- und Lebensweisen betreffend) und hochtechnologisierter Zukunftstauglichkeit attestiert. Die Ballungsräume versammeln demnach das „Gute“ und das „Schlechte“ in einzigartiger Weise. Der Vortrag hinterfragt herrschende Vorstellungen über die Besonderheiten sehr großer Städte, wie sie medial, aber auch im Wissenschaftsdiskurs vermittelt werden. Sie bringen nicht nur normative Ansichten über Stadtentwicklung auswestlicher Perspektive zum Aus-druck, sondern stellen auch wirkmächtige Grundlagen politischer Handlungsmaxime dar. Johanna Hoerning (Diplomsoziologin), studierte Soziologie in Frankfurt am Main, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am „Institut für Soziologie und Sozialpolitik m. d. Schwerpunkt Regional-, Stadt- u. Gemeindeforschung“.

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