guttenberg ist copyriot 2

das sollte eigentlich kommentar zu dem von mir grundsätzlich sehr gern gelesenen blog mit folgendem artikel „Antiintellektualismus vs. Kriechertum – vom Skandälchen Guttenberg und Skandalen“ werden. leider fand ich das zu schade für einen kommentar (das ist völlig und ganz un-derridaisch (->supplement)) – bessergesagt: zu wenig prominent um mit aufmerksamkeit geadelt zu werden.

also: ich bin der meinung, dass der adelige guttenberg was geschafft hat, was einem jahrzehntelangen kampf von „kritischen wissenschaftler_innen“ oder „linken“ studierenden nicht gelang:
ein system der akademischen anordnung und zurichtung anhand von abschlüssen und titeln in ihrer legitimität und realness zu erschüttern. niemand macht da lieber mit, als die ausgebeuteten und unterworfenen produktiven studierenden ALLER diszipline – mal kritisch, mal affirmativ.

ausserdem hätte er der neue doktor des copyriots werden und den „wissenschaftlich“ arbeitenden viel arbeit ersparen können, durch blöde korrekt-zitier-simulationen. aber die habens ja auch so mit ehre und ehrlichkeit. einzige hoffnung, die mir bleibt, ist, dass das moralsgedöhns nur taktischer „natur“ war um den reaktionären Populisten wegzukriegen. falls die empörung echt sein sollte, ist sie zugleich ressentimentativer standesdünkel (wow).

und ausserdem sollte doch alles, was dem „standort deutschland“ – also auch dem „wissenshaftsstandort“ schadet, willkommen geheiszen werden? und guttenberg war darin doch die letzten wochen ganz grosz?

den besten kommentar fand ich aber: „Früher wußte der Adel was an einer gewißen Stelle zu tun ist“ (leider pds, kriegt aber titanic-preis dafür)

weitere artikel einfach random durcheinander:

http://www.keimform.de/2011/guttenberg-als-vorkampfer-fur-freie-kultur/
http://lyziswelt.blogsport.de/2011/03/01/warum-guttenberg-bleiben-kann-wo-der-pfeffer-waechst-also-in-der-bundesregierung/
http://principien.de/guttenberg-und-das-geistige-eigentum/
http://wutbuerger-nachrichten.blogspot.com/2011/03/affare-guttenberg-netzbesiegt-minister.html
http://dishwasher.blogsport.de/2011/02/23/die-uebliche-klassenjustiz-wirkt-auch-im-fall-guttenberg/
http://episodenfisch.blogsport.de/2011/02/24/kath-net-schafft-guttenberg-nicht-ab/
http://neoprene.blogsport.de/2011/02/23/update-zur-gegenrede-von-freerk-huisken-zum-fall-guttenberg/
http://guttenberg.blogsport.eu/2011/02/28/hallo-welt/http://www.freitag.de/community/blogs/weinsztein/mehr-witze-ueber-dr-mogel-zu-guttenberg
http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EC66FBF3DF17542E8B68E58589F4872B2~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://neoprene.blogsport.de/2011/02/23/update-zur-gegenrede-von-freerk-huisken-zum-fall-guttenberg/
http://radikal-individualist.de/2011/03/02/anmerkungen-zur-causa-guttenberg/

2 thoughts on “guttenberg ist copyriot

  1. Andreas Kemper Mrz 2,2011 07:14

    Deinen Kommentar finde ich gut. Wir haben im Dishwasher versucht, auf die Doppelmoral aufmerksam zu machen, die im Uni-Bluff steckt. Jetzt wäre tatsächlich eine Aufarbeitung wichtig. Zum einen: der Komplex sozialer Selektionen, die auch im Promotionssystem wirken. Zum anderen: was soll eine Doktorarbeit? Steffani Engler demontierte das Prinzip „In Einsamkeit und Freiheit“ (so ihr Buchtitel). Da ich selber auch schon seit fünf Jahren an einer Diss sitze, merke ich, dass mir bestimmte Dinge überhaupt nicht passen, vor allem, dass es nachteilig sein soll, mein Wissen schon vor der Abgabe der Diss zu veröffentlichen. Natürlich ist auch der Genie- und Begabungskult, der hinter dem Doktorgrad steht, Bestandteil der Klassengesellschaft. Spannend hingegen ist der Anspruch, der an einer Diss gestellt wird: etwas Neues zu erbringen. Mit diesem Anspruch kann ich mich identifizieren, d.h. den lege ich an meiner Arbeit an. Hier stellt sich die Frage: Was ist „neu“?

  2. Fred Meier Mrz 4,2011 16:39

    Die faktische Entwertung akademischer Ehren, im Bereich der Politik durch Guttenberg kann man ja noch begrüßen. Aber bei der Zustimmung die ihm so entgegen geschlagen hat, zweifle ich ob es auf diesem Boden überhaupt fruchtbar sein kann.

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