„queer“ steht hier nicht als Synonym für „schwullesbisch“ oder „lgbt“, sondern als offene Handlungsanweisung, die sehr viel mehr beinhaltet als die sexuelle Orientierung oder Identität der Einzelnen. „queer“ ist die Abweichung von der Norm und die damit verbundene Herausforderung und Infragestellung der Grenzen, die von der Mehrheitsgesellschaft gesetzt werden. „queer“ ist deshalb sehr viel mehr als die Negation untragbarer, unerträglicher Verhältnisse. Im politischen Alltag meint „queer“ eine Utopie, nicht im bürgerlichen Sinne von Spinnerei oder Weltfremdheit, sondern im Sinne eines Ortes, der nicht ist, den es noch nicht gibt, der aber klar benannt werden kann und den es unentwegt zu schaffen gilt. trans*inter und queere Lebensweisen und Praktiken sind keine Selbstverständlichkeit. Ihre Orte müssen immer wieder neu ausgehandelt werden. Die Erfahrungen mit Diskriminierung und Gewalt sind nicht das Problem einzelner, sondern von höchster politischer Relevanz, bedingt durch ineinander verwobene institutionelle, strukturelle und kulturelle Machtverhältnisse.

via http://agqueerstudies.de/quear-%e2%80%93-das-transtonale-ohrenfest/