Corona-Demos, „Infodemie“, Verschwörungsdenken und deren Zusammenhang mit Antisemitismus

Online-Vortrag und Diskussion mit
Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 10. Februar 2021, 19 Uhr

Eine Veranstaltung von Sonntags-Club und Trans im Sonntags-Club

In Deutschland hat man zwar gelernt, dass Antisemitismus irgendwie schlecht ist. Verstanden hat man ihn trotzdem nicht. Dieser Zustand ermöglicht es, dass man antisemitischen Denkmustern anhängen und gleichzeitig davon überzeugt sein kann, nichts damit zu tun zu haben. Das funktioniert in rechten, linken und religiösen Milieus genauso wie in der vermeintlich „guten Mitte der Gesellschaft“.

Das gefährliche Potential dieser Mixtur wird in Krisenzeiten besonders deutlich. Die verbreitete Gewissheit, dass „die da oben an allem schuld sind“ verwechselt Gesellschaftskritik mit Wut auf „gierige Milliardäre“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“. Im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie verbreiten sich einfache, falsche und gefährliche Welterklärungsmuster noch schneller. Vermeintliche „Querdenker“, QAnon-Fans und andere bilden sich die Diktatur einer geheimen Weltelite ein und wähnen sich im Endkampf zwischen Gut und Böse. Viele werden immer hemmungsloser und gewalttätiger.

Doch so neu, wie
manchen das alles vorkommt, ist es nicht. Die Vorstellung von den
wenigen Gierigen und Bösartigen, die an allem Schuld sind und
deshalb beseitigt werden müssen, war auch schon für den
Nationalsozialismus charakteristisch, der von zig-Millionen Menschen
getragen wurde. Doch auch wer die eingebildeten „Gierigen
und Mächtigen, die im Geheimen wirken“ nicht mit „den Juden“
gleichsetzt, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum
Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Eine
reflektierte Kapitalismuskritik, die sich wesentlich vom herrschenden
Bauch-Antikapitalismus unterscheidet, ist deswegen heute nötiger
denn je.

Lothar Galow-Bergemann
schreibt u.a. für konkret, Jungle World und Emanzipation
und Frieden.